Zu alt mit 60+? Warum das Alter keine Grenze sein muss!
In meinem Umfeld häufen sich in letzter Zeit die runden Geburtstage mit der 6 davor. Und bei diesen Anlässen fällt mir immer wieder auf: Das Alter hat so viel mehr mit Haltung zu tun als mit Zahlen. Während einige meiner Freunde und Bekannten über 60 weiter neugierig bleiben, Neues lernen und sich mit Energie in ihre beruflichen Aufgaben stürzen, träumen andere nur noch von der Rente und vom Ruhestand und „endlich nichts tun“.
Aber warum ist das so? Was unterscheidet Menschen, die sich auch mit 60 oder 70 noch weiterentwickeln wollen, von jenen, die innerlich längst abgeschlossen haben? Ich spreche hier von Menschen, die keine schwere körperliche Arbeit verrichten, die früher sehr begeistert gearbeitet und sich weiterentwickelt haben.
Selbstverständlich gibt es auch Menschen, die noch einen großen Traum haben, den sie verwirklichen wollen, bevor das biologische Alter im Weg ist. Diese Menschen haben eine andere Motivation, die geregelte Arbeit zu verlassen.
In diesem Blogbeitrag werfe ich einen Blick auf die Denkmuster, die dahinterstecken, und auf die Frage, wie sich die innere Einstellung formt und verändern lässt. Und es ist auch ein wenig ein Appell daran, dass wir uns bewusst werden, dass wir immer wieder in Schubladen denken (ja, ich auch!).
Inhaltsverzeichnis
Zu alt mit 60+? Wie die Gesellschaft unser Bild vom Alter prägt
Unsere Einstellung zum Älterwerden beginnt oft nicht mit uns selbst. Sie wird geprägt durch die Erwartungen der Gesellschaft, durch die Bilder, die wir von älteren Menschen vermittelt bekommen. Über Jahrzehnte galt es als Norm, dass die Rente der „wohlverdiente Lebensabend“ sein sollte. Ein Ende der Pflichten und Aufgaben. Aber ist das wirklich der einzige Weg?
In den letzten Jahren hat sich die Arbeitswelt stark gewandelt. Menschen über 60 bringen oft enorme Erfahrung und wertvolle Kompetenzen mit, die weiterhin gefragt sind. Dennoch ist das klassische Bild des Ruhestands bei vielen tief verankert. Und gerade Führungskräfte bringen häufig wertvolle Erfahrung und manchmal auch Gelassenheit und Ruhe in eine Organisation, wenn sie schon ein paar Jährchen „auf dem Buckel“ haben.
Ich gehe davon aus, dass wir demnächst einen riesengroßen Fachkräftemangel haben und die KI in der Tat nicht die Lücke füllen kann. Dann ist es ein riesiges gesellschaftliches und wirtschaftliches Problem, wenn gerade meine Boomer-Generation zu früh nur noch an den Ruhestand denkt.
Überhaupt nicht hilfreich sind übrigens Werbung, Filme, Social Media. Die Psychologin Ines Imdahl brachte es auf LinkedIn auf den Punkt: Die Generation 50+ ist irgendwo zwischen Supermodel und Treppenlift.
Unser Bedürftnis, Dinge zu sortieren und zu ordnen (Schubladendenken), wird von diesen Bildern sehr stark befriedigt. Es ist schwer, sich davon zu lösen. Aber mit einem offen Blick auf alte Menschen, grauhaarige Menschen oder generell alle Menschen, gelingt es, einen differenzierteren Blick zu gewinnen. Und dann wird es erst richtig interessant.
Lernfreude im Alter: Wie Sie den Funken lebendig halten
Eine der größten Trennlinien zwischen denjenigen, die weiterhin aktiv bleiben, und denen, die „abschalten“, ist die Haltung zum Lernen. Menschen, die sich auch im Alter neuen Themen öffnen, erleben eine Art stetige Erneuerung. Sie halten ihr Denken flexibel und gewinnen neue Perspektiven. In Social Media gibt es dafür den Hashtag #lebenslangesLernen, den ich auch schon gerne benutzt habe.
Warum verlieren manche diese Lernfreude, während andere sie bis ins hohe Alter beibehalten? Ein Grund könnte in der persönlichen Lebensgeschichte liegen. Wer bereits in jungen Jahren positive Erfahrungen mit Veränderungen gemacht hat, wird später vermutlich auch mutiger bleiben.
Aber das heißt nicht, dass ich mich damit abfinden muss, dass Veränderung schlecht ist. Innere Haltung kann verändert werden und neue positive Erlebnisse helfen dabei. Die Frage ist – traue ich mich, etwas auszuprobieren? Und wer kann mich vielleicht dabei unterstützen? Reverse Mentoring kann ein spannender Schritt sein.
Das Alter: Die Macht der Selbstwahrnehmung
Ein entscheidender Punkt ist, wie wir uns selbst sehen. Menschen, die sich mit über 60 weiterhin als aktiv und „mittendrin“ wahrnehmen, verhalten sich oft auch entsprechend. Sie suchen Herausforderungen und setzen sich Ziele.
Andererseits neigen Menschen, die sich selbst in die Rolle des „alten Menschen“ hineinversetzen, dazu, sich zurückzuziehen. Diese Selbstwahrnehmung wirkt wie eine selbsterfüllende Prophezeiung: Wer glaubt, dass er „zu alt“ ist, handelt entsprechend und verpasst Chancen.
Leider wird Menschen, die mit 50+ auf dem Arbeitsmarkt eine neue Stelle suchen, ob suggeriert, dass sie zu alt sind. Das ist gefährlich, denn immerhin arbeiten diese Menschen noch über 10 Jahre und sind vielleicht loyaler und erfahrener als mancher junge Mensch. Ich wünsche mir, dass Unternehmen ihre Einstellung ändern und offener für diese Gruppe der Arbeitssuchenden werden. Nicht alle können warten, bis „der Markt es reguliert“ – dann kann es für das eine oder andere Unternehmen (das mangels Mitarbeitenden nicht mehr leistungsfäig ist) aber auch für den einen oder anderen Menschen (der frustriert aufgibt) zu spät sein.
Wissenschaftlich ist es nicht erwiesen, dass mit dem Alter die Leistungsfähigkeit abnimmt. Prof. Dr. Mike Martin von der Uni Zürich vom Lehrstuhl Gerontopsychologie sagt dazu in einem Interview: „Viele Leistungsfähigkeiten – beispielsweise das Gedächtnis oder das Konzentrationsvermögen – sind umso besser, je mehr sie geübt werden. Sie müssen also nicht aufgrund des Alters abnehmen.“
Ich selber habe eine ganze Sammlung an Weiterbildungen, die ich noch machen will, finde mich immer wieder ausgelassen schaukelnd auf einem Kinderspielplatz (natürlich nur, wenn die Schaukeln nicht von Kindern gebraucht werden). Es überrascht mich immer, wenn jemand sagt, „na ja, mit 60 geht [irgendetwas] halt nicht mehr“. Und ja, ich bin gesund und halte mich fit – da passt manchmal mein biologisches Alter nicht zu meinem gefühlten Alter.
Wenn jemand (aus welchem Grund auch immer) körperliche Beschwerden und Schmerzen hat, fällt es sicher schwerer, sich jung zu fühlen. Aber der Geist darf trotzdem noch ausgelassen bleiben. Denken Sie an Steven Hawking, der immerhin 76 wurde und dessen letzter Fachartikel posthum veröffentlicht wurde.
Neugierig bleiben – Wie Sie Ihre innere Haltung stärken können
Die gute Nachricht ist: Es ist nie zu spät, die eigene Einstellung zu überdenken und zu verändern. Hier sind einige Impulse, wie Sie neue Energie und Lust auf Weiterentwicklung gewinnen können:
- Bleiben Sie offen für neue Erfahrungen. Suchen Sie sich bewusst Aufgaben, die Sie fordern und die Sie spannend finden.
- Hinterfragen Sie alte Überzeugungen. Machen Sie sich bewusst, welche inneren Sätze Sie möglicherweise ausbremsen („Dafür bin ich zu alt“). Sprache hat einen hohen Effekt, den sollten Sie nicht unterschätzen.
- Knüpfen Sie neue Kontakte. Umgeben Sie sich mit Menschen, die aktiv sind und Ihre Begeisterung teilen.
Ein persönlicher Blick: Warum ich selbst nicht ans Aufhören denke
Ich selbst bin über 60 und könnte theoretisch bald in Rente gehen. Aber für mich war das nie eine Option. Ich liebe es, neue Dinge zu lernen, mit Menschen zu arbeiten und mich weiterzuentwickeln.
Diese Freude kommt nicht von ungefähr. Ich habe mich immer wieder bewusst entschieden, offenzubleiben – auch für Themen, die auf den ersten Blick ungewohnt oder herausfordernd waren. Und diese Offenheit hat mir viele spannende Türen geöffnet.
Ich habe mit Mitte 50 einen Karrierewechsel gehabt. Und wenn ich ehrlich bin – wäre ich in meinem letzten Beruf und Umfeld geblieben, würde ich mich wohl auch in der Gruppe der Menschen finden, die sich darauf freuen, endlich nicht mehr zu arbeiten. Heute ist dieser Gedanke weit weg gerückt.
Das hat etwas zu tun mit Leidenschaft und mit meiner Freude am Tun (heute sagt man Purpose dazu). Und in meinem Fall nicht zuletzt damit, dass ich jetzt ein sehr hohes Maß an Selbstbestimmung habe. Selbstbestimmung ist etwas, das mich motiviert – bei Ihnen mag es etwas anderes sein. Es war für mich sehr hilfreich, herauszufinden, was mich motiviert. Es kann auch Ihnen helfen, herauszufinden, was Sie motiviert und dann entsprechend danach zu handeln.
Ihre Haltung verändern: Wie Sie Ihren eigenen Weg finden
Wenn Sie sich in einer Phase befinden, in der Sie das Gefühl haben, auf der Stelle zu treten, lade ich Sie ein, darüber nachzudenken, wie Sie Ihre innere Einstellung verändern können. Manchmal reichen kleine Schritte, um neue Begeisterung zu wecken.
Das Alter ist keine Grenze – es ist eine Einladung, die eigene Haltung zum Leben zu hinterfragen und neu zu definieren. Was würden Sie tun, wenn das Alter keine Rolle spielen würde?
Das Wichtigste ist: Sie haben die Wahl.
Das Alter: Fragen, die Sie sich stellen können
- Wie sehe ich mich selbst in meinem aktuellen Lebensabschnitt? Fühle ich mich „alt“ – und warum eigentlich?
- Welche Gedanken kommen mir spontan in den Sinn, wenn ich an mein Alter denke? Sind sie eher positiv oder negativ?
- Welche Rollenbilder oder gesellschaftlichen Erwartungen beeinflussen mein Bild vom Älterwerden?
- Was würde ich tun, wenn mein Alter überhaupt keine Rolle spielen würde?
- Habe ich noch Ziele, die mich begeistern? Welche Träume oder Projekte möchte ich noch umsetzen?
- Welche Erfahrungen oder Fähigkeiten möchte ich weiter vertiefen oder neu entdecken?
- Wann habe ich zuletzt etwas Neues gelernt, das mir Freude gemacht hat?
- Welche Themen, Hobbys oder Ideen könnten mich jetzt inspirieren, weiterzulernen?
- Wie offen bin ich für Veränderungen – und wie könnte ich meine Flexibilität und Neugier stärken?
- Welche Vorteile bringt das Älterwerden mit sich, die ich vielleicht bisher unterschätzt habe (z.B. Erfahrung, Gelassenheit, Unabhängigkeit)?
Wenn Sie merken, dass der Prozess des Hinterfragens schwerfällt oder dass Sie neue Impulse und Begleitung auf Ihrem Weg brauchen, unterstütze ich Sie gerne dabei. Gemeinsam entwickeln wir neue Perspektiven, die Ihnen den Weg zu einem erfüllten und aktiven Berufsleben – auch jenseits der 60 – eröffnen.
Und wenn Sie sich darauf freuen, endlich nicht mehr früh aufstehen zu müssen, mit Ihren Enkeln spielen zu können, ihrem Hobby nachzugehen oder ein neues anzufangen – dann ist das auch OK. Das kann übrigens auch eine Form des Lernens und Wachsens sein.