Zeitmanagement für IT-Führungskräfte: So führen Sie wirksam
Warum Zeitmanagement für IT-Führungskräfte? Ich kenne viele IT-Führungskräfte, die sehr engagiert arbeiten – und dennoch das Gefühl haben, nicht wirklich zu führen. Zwischen Code-Reviews, Retros, Tickets und Bugfixes bleibt kaum Raum für echte Führungsarbeit. Geht es Ihnen auch so?
Viele IT-Führungskräfte bleiben in ihrer „Expertenidentität“ gefangen – sie definieren ihren Wert über technische Exzellenz statt durch Führungswirksamkeit. Diese Rollendissonanz führt dazu, dass operative Themen oft Priorität behalten, weil sie vertrauter erscheinen. Der Übergang von „Ich löse Probleme“ zu „Ich ermögliche Lösungen“ ist eine der zentralen Lernaufgaben in der neuen Führungsrolle.
Als neu ernannte Führungskraft in der IT stehen Sie besonders unter Druck: Der Kalender ist voll, das Team braucht Entscheidungen, und gleichzeitig sollen Sie strategisch denken. Führung wird da schnell zum „Nice to have“. Doch das Gegenteil ist der Fall: Führung ist nicht das Extra – sie ist Ihre eigentliche Aufgabe.
In diesem Artikel zeige ich Ihnen 5 konkrete Strategien, wie Sie als neue IT-Führungskraft effizient Zeit für Führung schaffen – praxisnah, realistisch und direkt umsetzbar. Dabei spielt effektives Zeitmanagement für IT-Führungskräfte eine zentrale Rolle.
Inhaltsverzeichnis
Delegieren lernen – auch (und gerade) in technischen Teams
Viele neue IT-Leads neigen dazu, Aufgaben selbst zu erledigen – aus Zeitdruck oder aus dem Gefühl heraus, es besser zu können. Doch auf Dauer führt das zu Überlastung und bremst die Teamentwicklung.
Delegieren funktioniert besonders gut, wenn Sie bestehende agile Strukturen nutzen. Lassen Sie z. B. Senior Developers technische Schulden priorisieren oder etablieren Sie eine „Review-Rotation“ im Team. Dadurch entsteht ein gemeinsames Verantwortungsgefühl – und Sie gewinnen Zeit für Führungsarbeit statt für tägliche Eskalationen.
- Nicht alles selbst machen: Übertragen Sie Routinen – z. B. Code-Reviews – an erfahrene Kolleg:innen. Einmal sauber erklärt (z. B. Security-Checks, Code-Style), sparen Sie Woche für Woche wertvolle Stunden.
- Der Anfang braucht Geduld: Planen Sie bewusst Extra-Zeit für Übergaben ein – langfristig entlastet es Sie enorm.
- Kreativität zulassen: Wenn Sie das Ziel klar formulieren, findet das Team oft effizientere Lösungen, als Sie sie allein vorgeben könnten.
Delegieren ist kein Kontrollverlust, sondern ein Hebel für bessere Teamleistung – und ein zentrales Element guten Zeitmanagements in der IT-Führung. Und essenziell: Delegation beginnt im Kopf. Wer glaubt, dass Führung nur funktioniert, wenn „alles perfekt läuft“, wird nie loslassen. Vertrauen entsteht, wenn Sie Fehler als Lernschritte verstehen – für das Team und für sich selbst. Gute Führung bedeutet, Kontrolle durch Klarheit zu ersetzen.
Zeitmanagement für IT-Führungskräfte: Alltag beobachten und steuern
Wer führen will, braucht Übersicht über die eigene Zeitverwendung. Nur dann können Sie bewusst gestalten.
Zeitmanagement für IT-Führungskräfte ist nicht nur eine Frage der Organisation, sondern auch der mentalen Fokussierung. Wer ständig den Kontext wechselt, verliert Führungspräsenz. Planen Sie Energiephasen – nicht nur Termine. Wann sind Sie am klarsten im Denken? Reservieren Sie genau dann Zeit für Reflexion oder schwierige Gespräche.
Ebenso wichtig: Lernen Sie, „Nein“ zu sagen. Priorisieren heißt immer auch, aktiv zu verwerfen. Legen Sie bewusst fest, welche Themen nicht Ihre Aufgabe als Führungskraft sind.
- Tracken Sie Ihre Zeit: Es gibt Tools, die Sie dabei unterstützen können. Oder starten Sie ganz einfach: Notieren Sie täglich, womit Sie Ihre Zeit verbracht haben.
- Typische Kategorien: Tagesgeschäft (z. B. Tickets), Meetings (z. B. Stakeholder), Führung (z. B. 1:1s), Weiterbildung.
- Beispielhafte Verteilung: So könnte eine realistische Aufteilung der Zeit aussehen.
| Kategorie | Typisch (IST) | Ziel |
| Tagesgeschäft | 60 % | 40 % |
| Besprechungen | 25 % | 20–25 % |
| Führung | 15 % | 25–30 % |
| Weiterbildung | 0 % | 5–10 % |
Viele Führungskräfte verbringen deutlich mehr Zeit im Operativen als geplant – auf Kosten ihrer Führungsaufgaben.
Setzen Sie ein realistisches Führungsziel
„Ich will mehr führen“ ist zu vage. Was wirklich hilft: konkrete, kleine Schritte – mit klarer Wirkung. Denn: Führung ist nicht ein Projekt, das Sie „eines Tages“ machen, sondern eine kontinuierliche Praxis.
- SMART statt schwammig: Ein Ziel wie „Ich möchte besser führen“ bleibt unverbindlich. Konkreter wäre: „Ich führe ab sofort drei 1:1-Gespräche pro Woche mit Schlüsselpersonen im Team“ oder „Ich übernehme ab diesem Monat regelmäßig die Moderation der Team-Retrospektive“.
- Passung zum Kontext: Achten Sie darauf, dass Ihre Führungsziele zur aktuellen Teamphase, Projektlage und Unternehmenskultur passen. Bei einem überlasteten Team kann ein Ziel sein, mehr zuzuhören. Bei hoher Fluktuation: regelmäßige 1–1 Gespräche, bei einem remote arbeitenden Team angepasste Kommunikationsmethoden.
- Planbarkeit steigert Umsetzung: Tragen Sie Führungsaktivitäten aktiv in Ihren Kalender ein. Blocken Sie bewusst Zeitfenster für z. B. Einzelgespräche, Feedbackvorbereitung oder Mentoring.
- Klein anfangen – groß lernen: Selbst wenn Sie „nur“ eine Sache pro Woche ändern oder neu etablieren, entwickeln Sie dabei Routinen. Diese Routinen machen langfristig den Unterschied.
Tipp: Lieber kleine, erreichbare Schritte als große Vorhaben, die nie umgesetzt werden. Führung braucht Beständigkeit, nicht Größe.
Machen Sie Ihr Ziel öffentlich – für mehr Verbindlichkeit
Viele Führungskräfte starten motiviert, verlieren aber im Alltag die Priorität aus den Augen. Was hilft? Sichtbarkeit. Sobald andere von Ihrem Vorhaben wissen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie dranbleiben. Wer sich offen zu einem Ziel bekennt, bleibt leichter dran.
- Suchen Sie Verbündete: Teilen Sie Ihr Vorhaben in einem Peer-Netzwerk oder mit Ihrem Mentor, oder Ihrer Mentorin.
- Verbindlichkeit durch Transparenz: Teilen Sie Ihr Ziel mit einer vertrauten Kollegin oder einem Kollegen, einem Peer oder im Führungskräfte-Netzwerk. Beispiel: „Ich habe mir vorgenommen, jede Woche ein 1:1 mit einem Teammitglied zu führen – frag mich bitte nächsten Freitag, wie es lief.“
- Gemeinsam führen lernen: Gründen Sie eine kleine Peer-Group mit anderen neuen Führungskräften – z. B. für einen 30-Minuten-Austausch pro Woche oder pro Monat. Ziel: Zielsetzung, Umsetzung, Feedback – kurz und wirksam.
Wer sein Ziel ausspricht, erhöht automatisch seine Verpflichtung. Das Ziel wird realer, messbarer – und damit handlungsrelevanter.
Holen Sie sich Unterstützung – Führung ist kein Solo-Job
Coaching, Mentoring oder Peer-Gruppen bringen wertvolle Impulse – besonders in der Anfangsphase.
Wenn Sie spüren, dass Sie sich im Tagesgeschäft verlieren, ist das kein Zeichen von Schwäche – sondern der Normalzustand vieler Tech-Leads. Entscheidend ist, bewusst gegenzusteuern. In einem Coaching oder Sparring entwickeln Sie genau diese Klarheit: wie Sie Raum schaffen, ohne Wirksamkeit zu verlieren. Lassen Sie uns sprechen.
Reflexionsfragen: Zeitmanagement für IT-Führungskräfte
- Welche 2 Aufgaben könnten Sie diese Woche an Ihr Team delegieren?
- Was hält Sie derzeit davon ab, Aufgaben abzugeben?
- Wie viel Prozent Ihrer Woche fließen aktuell in das „Tagesgeschäft“?
- Wen aus Ihrem Netzwerk könnten Sie als Sparringspartner oder Sparringspartnerin ansprechen?
- In welchen Momenten merken Sie, dass Sie mehr „Mitarbeiter:in“ als „Führungskraft“ sind?
Hinweis: Dieser Artikel beleuchtet speziell die Perspektive von neu ernannten IT-Führungskräften auf Zeitmanagement und Selbstorganisation. Er ergänzt den bestehenden Artikel „Führung? Ich habe echt keine Zeit für Führung“ um strukturierte Strategien.





