Mehr als eine Bilanz: Mein Jahresrückblick 2025 in fünf Fragen
Neulich im Online-Co-Working kam das Gespräch auf Jahresrückblicke.
Ich erwähnte, dass ich gerade an meinem eigenen Jahresrückblick 2025 schreibe – und meine Kollegin reagierte sofort: „Oh nein, bitte nicht! Ich finde das schrecklich.“
Ich war ehrlich erstaunt. Gerade sie, die sonst sehr reflektiert ist.
Sie erklärte, dieses ganze Rückblick-Thema werde inzwischen wie ein Allheilmittel herumgereicht. Alle sollen reflektieren, auswerten, analysieren – und sie könne es einfach nicht mehr hören. Selbst ein Tool, wie Canva, stellt Vorlagen zur Verfügung. (Das kann hilfreich sein, ich passe meine Fragen aber meistens danach an, was mich gerade beschäftigt.)
Ich konnte ihren Punkt verstehen. Und gleichzeitig spürte ich: Für mich hat der Rückblick einen ganz anderen Sinn.
Ich schreibe ihn nicht, um irgendetwas zu optimieren oder Kennzahlen zu vergleichen. Ich schreibe ihn, um mich zu erinnern.
Zwölf Monate sind lang. So vieles gerät im Alltag aus dem Blick. Wenn ich meinen Rückblick schreibe, tauchen die kleinen Momente wieder auf, die ich längst vergessen hätte: gute Gespräche, gelungene Entscheidungen, kleine Fortschritte.
Das tut gut. Es erdet. Und es zeigt mir, was alles gewachsen ist – ohne dass ich es bewusst gemerkt habe.
Inhaltsverzeichnis
Was war meine mutigste Entscheidung in diesem Jahr?
Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mir eine Auszeit in Form eines Retreats genommen. Zeit nur für mich. Für meine Gedanken. Für all das, was im Alltag oft keinen Platz findet.
Diese Entscheidung war mutig, weil sie mit vielen offenen Fragen verbunden war: Passe ich in diese Gruppe? Lohnt sich das Investment wirklich? Ist dieses Format überhaupt das Richtige für mich? Ich wusste es nicht – und genau das machte den Schritt so ungewohnt.
Im Rückblick bin ich sehr dankbar, dass ich mich trotzdem dafür entschieden habe. Das Retreat hat mir Raum gegeben, innerlich aufzuräumen. Ich bin erholt zurückgekommen – vor allem aber mit einem klareren Kopf und einer wichtigen Entscheidung, die sich vorher nicht zeigen wollte.
Manchmal liegt der größte Mut nicht darin, etwas Neues zu leisten, sondern sich bewusst Zeit zu nehmen, um wieder bei sich selbst anzukommen.
Worauf bin ich besonders stolz
Ich habe eine wichtige Entscheidung getroffen: Künftig fokussiere ich mich klarer auf meine Lieblingsklientel – neu ernannte Führungskräfte aus der IT-Industrie.
Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen. Es gibt so viele Coaches auf dem Markt – viele davon gut ausgebildet und kompetent. Umso wichtiger ist es für mich, mich klar zu positionieren. Denn genau mit dieser Zielgruppe arbeite ich besonders gern: Sie profitiert stark von meiner eigenen Erfahrung, und die Zusammenarbeit ist für beide Seiten bereichernd.
Durch die deutlichere Ausrichtung vermeide ich auch Anfragen zu Themen, die nicht zu mir passen oder mir weniger Freude machen. Das spart Energie – und schafft Raum für das, was wirklich stimmig ist.
Aktuell überarbeite ich meine Website, um das sichtbar zu machen. Es ist ein bisschen Arbeit, ja – aber es fühlt sich absolut richtig an. Und die ersten passenden Anfragen sind bereits da.
Auch die Persönlichkeitsanalyse mit LINC passt hervorragend zu dieser Zielgruppe. Demnächst wird es dazu erste Kundenstimmen geben – ein weiterer Schritt auf dem Weg zur neuen Klarheit.
Welche Herausforderung hat mich wachsen lassen – auch wenn sie unbequem war?
Dieses Jahr hat mich besonders eine wiederkehrende Erfahrung gefordert: Die Langsamkeit von Entscheidungsprozessen in den Unternehmen, mit denen ich zusammenarbeite – sowohl bei neuen Kontakten als auch in bestehenden Beziehungen.
Ein besonders extremes Beispiel: Im Juli erreichte mich eine erste Anfrage für ein gemeinsames Projekt. Heute, Monate später, ist noch immer kein Vertrag unterschrieben – obwohl es seither jeden Monat gefühlt einen kleinen Schritt vorwärtsging. Einen Mini-Schritt.
Diese zähe Dynamik auszuhalten, ohne innerlich die Geduld zu verlieren oder in Aktionismus zu verfallen, war herausfordernd. Ich musste lernen, Vertrauen zu halten – in den Prozess, in meine Arbeit und in mein Gegenüber. Und gleichzeitig meine eigenen Grenzen zu spüren: Wie lange will ich warten? Wie bleibe ich klar in meiner Kommunikation, ohne zu drängen?
Unbequem, ja. Aber es hat mich wachsen lassen – in Gelassenheit, Klarheit und Standhaftigkeit.
Was möchte ich ins nächste Jahr mitnehmen?
Was ich definitiv mitnehmen möchte: meine Balance.
Die Balance zwischen Arbeit und echter Freizeit. Zwischen Verantwortung und Freiheit.
Ich habe in diesem Jahr gespürt, wie gut es mir tut, mir Pausen zu erlauben – wirklich zu erlauben. Ohne schlechtes Gewissen, ohne heimliches Checken der To-dos im Hinterkopf. Ich war drei Wochen im Urlaub. Einfach so. Ich bin zwischendurch spontan zu meiner Freundin nach Norddeutschland gefahren, mitten im Alltag. Und es war genau richtig.
Diese Leichtigkeit, diese Selbstverständlichkeit im Umgang mit freier Zeit – die möchte ich ins nächste Jahr mitnehmen.
Weil sie mir guttut. Und weil sie dafür sorgt, dass ich meiner Arbeit mit klarem Kopf, mehr Gelassenheit und neuer Energie begegnen kann.
Was darf zurückbleiben – auch an Denk- oder Verhaltensmustern?
Was ich im alten Jahr lassen möchte, ist der Impuls, mich von den Meinungen anderer zu sehr beeinflussen zu lassen – besonders, wenn es um mein Alter oder meine Lebensgestaltung geht.
In meinem Umfeld – vor allem unter früheren Kolleginnen und Kollegen – sind viele inzwischen im vorzeitigen Ruhestand. Immer wieder höre ich die Frage: „Wann hörst du endlich auf zu arbeiten?“
Doch für mich fühlt sich meine Arbeit nicht wie ein Restprogramm an, das erledigt werden muss. Im Gegenteil: Ich empfinde sie als Bereicherung. Als etwas, das mich inspiriert, herausfordert und lebendig hält.
Ich möchte mich künftig noch klarer davon abgrenzen – von den Erwartungen, Projektionen oder Normen anderer. Nicht aus Trotz, sondern aus Überzeugung: Weil mein Weg nicht weniger richtig ist, nur weil er anders ist.
Ich merke: Je klarer ich für mich benenne, warum ich arbeite, desto weniger Raum bekommen die Stimmen von außen. Diese innere Klarheit möchte ich pflegen.
Ihr Jahresrückblick 2025?
Vielleicht geht es Ihnen ähnlich: Der Jahresendspurt ist voll, die To-do-Liste lang – und trotzdem lohnt es sich, einmal kurz für einen Jahresrückblick 2025 innezuhalten. Nicht, um Bilanz zu ziehen. Sondern um wahrzunehmen, was da ist.
Wenn Sie als Führungskraft Lust haben, genau das zu tun: einen Business-Rückblick zu gestalten, der nicht nach Schema F funktioniert, sondern zu Ihnen passt, ich begleite Sie gern dabei. Übrigens: einen Rückblick darf man auch noch am Anfang eines Jahres machen, wenn der Jahresendspurt dann doch zu knapp war.





